wie mit doktospielen umgehen – hilfreiche tipps   Leave a comment

Doktorspiele bei Kleinkindern: ein Problem?

schöner formatiert im original

Erstellt am 5. Februar 2002, zuletzt geändert am 19. Februar 2010

Beate Weymann

Um was es sich handelt

Doktorspiele ist eine volkstümliche Bezeichnung für das kindliche Erforschen der Sexualität. Folgende Fragen stellen sich: Ist mit meinem Kind etwas nicht in Ordnung, wenn ich es bei Doktorspielen erwische? Sollten Doktorspiele akzeptiert werden? Was passiert, wenn man Doktorspiele verbietet? Wie verhält man sich am besten?

Was hat es mit den Doktorspielen auf sich?

Kinder sind von Anfang an sexuelle Wesen. Babys genießen die Mutterbrust und das Saugen. Bereits zwischen dem 6. und 8. Monat fangen viele Babys an, mit ihren Geschlechtsteilen zu spielen und sind in der Lage, dabei Lust und Spaß zu empfinden.

Ab ca. 2 Jahren interessieren sich Kinder zunehmend für ihre Geschlechtsorgane. Im Alter zwischen 3 und 6 Jahren finden die sogenannten Doktorspiele statt. Dabei legt sich der “Patient” auf das Bett, den Boden o.ä., währenddessen der “Arzt” ihn gründlich untersucht. Die Kinder ziehen sich dazu aus, zeigen sich gegenseitig die Geschlechtsteile und betasten sich. Hierbei wird vielen Kinder erstmalig der Geschlechtsunterschied von Frau und Mann deutlich. Sie probieren vieles aus und spüren so, was Spaß macht und was unangenehm ist.

Gegenseitiges Einverständnis ist fast immer vorhanden. Fast alle Kinder haben bis zu diesem Alter gelernt, ein klares und unmissverständliches “Nein” sagen zu können. Meistens sind sie in der Lage, sich bei Spielgefährten durchzusetzen. Außerdem finden Doktorspiele nur bei denen Anwendung, die Sympathien füreinander hegen. Kinder ziehen sich für diese “Untersuchung” zurück, da ihnen meist von alleine bewusst ist, dass Öffentlichkeit fehl am Platze ist.

Derartige Doktorspiele werden meist in dem Moment langweilig , in dem Kinder die wichtigsten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen verstanden haben.

Zur Beruhigung: Doktorspiele stellen etwas sehr Normales im Sinne der Entwicklungspsychologie dar, sind als Teil der normalen kindlichen Entwicklung einzustufen. Bedenklich ist nur, wenn diese Spiele gar nicht auftreten.

Manche Erwachsenen verdrängen scheinbar ihre eigenen Unternehmungen in der Kindheit diesbezüglich und reagieren so, als wäre etwas ganz Unvorstellbares passiert.

Sexualität wird in verschiedenen Zeitepochen unterschiedlich beurteilt. Aber nicht nur die Zeit spielt eine Rolle, auch der Ort ist wichtig; die eine Region kann diese Auffassung vertreten, wohingegen eine andere Region eine ganz gegensätzliche Meinung vertritt. Religiöse Hintergründe und gesellschaftliche bzw. ideologische Weltanschauungen scheinen hier ursächlich zu sein. Nach 1968 war es laut Sexualwissenschaftlern in antiautoritären Kinderläden Mode, Kinder frühzeitig zu sexuellen Erkundungen anzuhalten.

Wie man sich am besten verhält

Die Sexualerziehung fängt viel früher an als man so meint: Jedes vorsichtige Berühren, jedes zärtliche Ansehen und alle tröstenden Worte sind bereits Sexualerziehung. Beispiel: Werden die Kinder aufmerksam angesehen oder wird fast über sie hinweg geschaut? Bekomme ich die jeweiligen Stimmungen mit? Nehme ich mein Kind manchmal in den Arm? Sexualerziehung beinhaltet das gesamte Verhältnis eines Kindes zu seinem Körper und zu seinen körperlichen Gefühlen.

Geht man mit Sexualität unverkrampft und unkompliziert um, stellt das eine ausgezeichnete Basis für ein glückliches, erfülltes Leben dar. Leben die Eltern dies ihren Kindern vor, so stellen sie ein wunderbares Vorbild dar, das die Kinder mit Eifer nachahmen können. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass Sexualität ähnlich wie Essen und Trinken ein ganz natürliches Bedürfnis darstellt.

Ganz bedeutend ist, dass die Kinder erleben, dass ihr Körper und ihre Empfindungen mit Respekt behandelt werden. Es muss ihnen ermöglicht werden, dass sie ihren Körper frei von schiefen Blicken oder Verboten erforschen können. Ihnen sollte klar gemacht werden, dass Lust nichts Unrechtes ist, sondern etwas, dass das Leben reicher macht. Eltern dürfen die Doktospiele ihrer Kinder nicht abwerten oder verbieten. Völlig daneben sind Äußerungen wie: “Nicht mit spielen, so etwas machen anständige Kinder nicht! Fass ihn nicht an, sonst bricht er ab! Du wirst Pickel davon bekommen! Jeder wird es Dir ansehen, wenn Du es getan hast! Rückenschmerzen wirst Du davon bekommen! Der liebe Gott sieht alles und wird dich bestrafen! Du sündigst und musst das beichten!” Sexuelle Spielereien dürfen unter keinen Umständen mit Drohungen und Strafen belegt werden. Sexualität darf also nicht mit Abwertung oder Verurteilung in Verbindung gebracht werden.

Vielmehr stellt sie eine Möglichkeit der Beziehung unter Menschen dar. Sexualität gibt einem die Chance, sich als Frau oder Mann zu erleben. Lust und Freude am eigenen Körper kann gespürt werden. Nicht zuletzt wird ein Bereich angesprochen, in dem die Bedürfnisse des Partners wahrgenommen und erfüllt werden können.

Der Sinn einer jeden Sexualerziehung in allen Altersstufen kann nur sein, dass Sexualität nicht mehr als etwas Ausgegrenztes angesehen wird. Idealerweise ist sie als Teil einer Erziehung zur Liebesfähigkeit einzuordnen, d.h. Sexualität ist eine Möglichkeit, Liebe zu zeigen.

Einmischen sollte man sich nur, wenn das Kind “danach” bedrückt und stiller auftritt. Schwierigkeiten können entstehen, falls ein Kind wesentlich älter ist und die anderen unterdrückt. Spitze Gegenstände o.ä. können natürlich nicht toleriert werden. Hier sollte man behutsam eingreifen. Wichtig ist, dass die Kinder sich nur auf das einlassen, was sie möchten.

Das Allerwichtigste ist eine Beziehung, die von Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit geprägt ist Alle Dinge, die einem Kind Geborgenheit, Vertrauen und Geliebtwerden vermitteln, stellen eine positive Sexualerziehung dar. Denn was Kinder in den ersten Jahren in der Familie erlebt haben, das wird spätere Liebesbeziehungen und Sexualität prägen.

Falls man Doktorspiele verbietet

Oftmals reagieren Eltern auf Doktorspiele mit stark einschränkenden Verboten. Motto: “Pfui! Lass das!” oder “Das ist eine schmutzige Sache! Ich möchte das nicht noch mal sehen!”

Wird eine sexuelle Betätigung der Kinder (Doktorspiele, Selbstbefriedigung) bestraft, so ist damit zu rechnen, dass generell sexuelle Regungen mit Angst vor Strafe besetzt werden, und zwar über die Kindheit hinaus. Vielfältige Arten sexueller Störungen, von der ausgedehnten Vermeidung sexueller Beziehungen überhaupt bis zur Impotenz und Frigidität sind möglich.

Auch eine verringerte Neugieraktivität, eine Reduzierung des Forscherdrangs und letztendlich eine verlangsamte Intelligenzentwicklung sind zu befürchten. Eine ablehnende Einstellung der Familie oder anderer Bezugspersonen der frühen Kindheit zur kindlichen Sexualität sind Hauptauslöser der Angst vor sexuellen Wünschen und sexueller Befriedigung.

Kann trotz Sexualangst als Erwachsener eine sexuelle Beziehung aufgenommen werden, so besteht die Chance, die Angst langsam abzubauen und die Bestätigung, die sexuelle Befriedigung mit sich bringt, zu erleben.

Was man sich merken sollte

Doktorspiele dienen Kindern u.a. dazu, den Geschlechtsunterschied zwischen Mann und Frau zu begreifen. Als Teil der normalen kindlichen Entwicklung stellen sie nichts Beunruhigendes dar.

Je uneingeschränkter das Kind in der Lage ist, den eigenen Körper und den anderer zu erforschen, je weniger es dafür mit Angst betrachtet oder bestraft wird, desto eher wird es im späteren Leben fähig sein, körperliche Liebe mit viel Lust zu empfinden. Sexualität darf nicht als etwas Außen- vor- Stehendes betrachtet werden, sondern als eine Art und Weise, Liebe zu zeigen.

Wird die sexuelle Betätigung der Kinder (Doktorspiele, Selbstbefriedigung) bestraft oder verboten, so führt dieses zu schwerwiegenden sexuellen Störungen über die Kindheit hinaus, der Vermeidung sexueller Beziehungen, zur Impotenz und Frigidität, Zwängen, schweren Neurosen und Psychosen.

Literatur

Struck, P.: Erziehung für das Leben, Südwest Verlag, München, 2001

Coloroso, B.: Was Kinderseelen brauchen, Südwest-Verlag, GmbH & Co. KG, München, 1997

Kursbuch Kinder, Bertelsmann Club GmbH, Gütersloh, 1993

Schmidbauer, W.: Psychologie. Lexikon der Grundbegriffe, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1991

Autorin

Beate Weymann, Diplom-Sozialpädagogin, Angestellte beim Land Niedersachsen

Adresse

Beate Weymann-Reichardt
Schulstraße 2
37586 Dassel

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: