Aufarbeitung und Aufklärung • übergriffe zwischen kindern im kindergarten   Leave a comment

deutlicher hinweis auf die wichtigkeit sexueller aufklärung, erziehung und bertreuung im kindergarten
Aufarbeitung und Aufklärung
DRK Kindergarten: Grenzverletzung bei „Doktorspielen“? / Eltern, KiTa und Berater im Gespräch

Tornesch. Was gehört zur sexuellen Entwicklung von Kindern? Ab wann werden Grenzen verletzt, wie normal sind Doktorspiele? Mädchen und Jungen im Kindergartenalter sichern sich in ihrer geschlechtlichen Position ab, indem sie sich mit Gleichgeschlechtlichen vergleichen und das andere Geschlecht erforschen. 

Und das geschieht bei Spielen, die zurückgezogen meist im gegenseitigen Einvernehmen von Kindern, die sich mögen, erfolgen.

Ob Fünf- und Vierjährige in einer Kuschelhöhle im DRK Kindergarten an der Friedlandstraße ihrer kindlichen Neugierde nachgegangen sind, ob es dabei zu Grenzverletzungen kam, nicht nur Freiwilligkeit bei Handlungen im „Spiel“ war, die eigentlich die kindliche Fantasie übersteigen und ob Erzieherinnen ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, wird derzeit im Kindergarten aufgearbeitet.

Eine Lokalzeitung hatte von „massiven sexuellen Übergriffen“ geschrieben. „Diese Berichterstattung ist völlig überzogen. Die Jungs wurden als Täter bezeichnet. Dagegen verwahren wir uns“, so DRK-Kreisgeschäftsführer Reinhold Kinle. Er hatte am 17. Mai von den „Vorfällen“ erfahren. Wie er betont, seien mit den Eltern der betroffenen Mädchen und Jungen Gespräche geführt, die Kindertagesstättenaufsicht und die Stadt Tornesch informiert und die Beratungsstelle „Wendepunkt“ eingeschaltet worden. Am 1. Juni habe zudem ein Gespräch, das von einer externen Supervisorin geleitet wurde, mit den Eltern der Mädchen und den Erzieherinnen stattgefunden. Auch Gespräche mit den betroffenen Jungs habe es gegeben, allerdings nicht mit den Mädchen, da die Eltern das nicht wünschten, so Kinle. Er war in den vergangenen Tagen in der Kindertagesstätte und ist dort auf Eltern getroffen, die den Wirbel um den Vorfall als übertrieben ansehen. „Wir sind im Klärungs- und Aufklärungsprozess“, betont Kinle.

Die Kuschelhöhle in dem Gruppenraum wurde entfernt, aber die Kinder besuchen weiterhin gemeinsam auf Anraten von Fachexperten die Gruppe. Und das offensichtlich unbefangen. Auch Dirk Jacobsen, Mitarbeiter der Beratungsstelle Wendepunkt, verweist darauf, dass das Neugierverhalten von Kindern bei ihren sexuellen Erkundungen nicht übertrieben bewertet werden sollte. Allerdings müsse eingegriffen werden, wenn sich Kinder dabei nicht wohl fühlen, etwas gegen den Willen geschehe oder gar Verletzungsgefahr bestehe.

Wichtig sei, dass Eltern, und Erzieherinnen das Thema kindliche Sexualität und Doktorspiele nicht scheuen. Sie müssten mit den Kindern darüber sprechen, dass nur erlaubt ist, womit alle Beteiligten einverstanden sind und Grenzen und Tabus deutlich machen. „Ein Ziel unserer Hilfestellung und Beratung ist auch, Kinder stark zu machen, ihre Grenzen wahrzunehmen und sich bei Grenzüberschreitung einer Vertrauensperson zuzuwenden“, so Jacobsen. Dass die Kuschelhöhlen im DRK-Kindergarten abgebaut worden sind, kann er vor dem Hintergrund des Druckes, dem der Kindergarten ausgesetzt ist, verstehen. Langfristig sollten sie aber wieder eingerichtet werden, denn Kinder würden diese Freiräume für ihre psychosexuelle Entwicklung brauchen, so der Fachmann. Der verschobene Elternabend in der betroffenen Gruppe mit einer Wendepunkt-Mitarbeiterin soll am 15. Juni erfolgen.

Kreiselternvertretung Pinneberg zu den Vorkommnissen: Die Kreiselternvertretung Pinneberg weist darauf hin, dass bei aller Notwendigkeit der Aufklärung des Vorgefallenen im DRK-Kindergarten an der Tornescher Friedlandstraße es nicht zu einem hysterischen Spekulieren, zu Panik-Mache und Sensationslust kommen dürfe.

„Für uns als Kreiselternvertretung Pinneberg stehen die betroffenen Kinder im Vordergrund. Wir appellieren an alle, den Wendepunkt in Ruhe arbeiten zu lassen und nichts mehr zu posten. Der Vorfall wird seine Ursachen haben. Fachleute versuchen, diese Ursachen herauszufinden. Dann werden sicherlich auch Maßnahmen getroffen werden. Lassen wir diese Fachleute einfach arbeiten“, so der Vorsitzende der Kreiselternvertretung Stephan Schmidt.

Aus Sicht der Kreiselternvertretung ist es untragbar, dass Eltern, deren Kinder in dem Kindergarten betreut werden, die Einrichtung durch den Hintereingang betreten müssten, weil TV-Teams vor der Einrichtung stehen und versuchen, von den Eltern Statements zu bekommen. „Sicherlich ist es für die Eltern eine schlimme Situation, doch wir reden immer noch von Kindern, die Grenzen überschritten haben. Wir begrüßen es, wie die KiTa-Leitung und auch der DRK-Verband Pinneberg reagiert haben. Sie haben nach Bekanntwerden die Heimaufsicht benachrichtigt und sich an den Wendepunkt gewandt“, macht Stephan Schmidt deutlich. Er verweist darauf, dass der Wendepunkt mit den betroffenen Kindern, Eltern und Erziehern arbeite und seit 20 Jahren die besten Referenzen auf diesem „sehr schwierigen und sensiblen Gebiet“ habe.

Der Kreiselternbeirat verspricht allen Eltern, sie sachlich auf dem Laufenden zu halten.

Sylvia Kaufmann
Kita-Skandal von Tornesch: Jetzt spricht das DRK. Es ist Träger der Kita, in dem es zu gewaltsamen sexuellen Übergriffen von Jungen auf Mädchen gekommen sein soll.

Die Organisation betreibe insgesamt 14 Kindertagesstätten im Kreis Pinneberg und sei „mit der kindlichen Entwicklung bestens vertraut“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Reinhold Kinle.

Kindliche Neugier auf das andere Geschlecht sei „völlig normal“, sagt Kinle. Auch in Tornesch habe alles mit „harmlosen Doktorspielen“ begonnen; erst später sei es zu „Grenzüberschreitungen“ gekommen, die „nicht akzeptiert werden können“. Das sei bedauerlich. Kinle versichert, das DRK habe „sofort reagiert“ und nehme die Sache sehr ernst. Die Aufarbeitung habe oberste Priorität. Offene Rücktrittsforderungen von Kita-Eltern gegen ihn wies er zurück: „Es wird keinen Rücktritt geben.“

Harmlose beginnende Doktorspiele in der Kuschelhöhle

Kita-Leiterin Nadine Joswig versichert, die Doktorspiele in der Kuschelhöhle hätten „einvernehmlich“ und „im normalen Bereich“ begonnen – und seien später unbemerkt „in den roten Bereich“ übergegangen. Die Mutter eines betroffenen Mädchens widerspricht gegenüber unserer Zeitung: „Das ist die Wunschvorstellung von Frau Joswig. Die Mädchen sind von Anfang an gezwungen und bedroht worden.“

Die Erzieherinnen in der Blauen Gruppe hätten nichts bemerkt, beteuert Joswig. In dieser Familiengruppe betreuen nach ihren Angaben drei Erzieherinnen sowie zeitweise eine Heilpädagogin und eine Auszubildende 15 Kinder, davon fünf unter drei Jahren und zehn zwischen drei und sechs Jahren.

Kuschelhöhle ist abgebaut worden

Bekannt geworden seien die Vorfälle erst durch die Mutter eines Mädchens, das eines Tages nicht mehr sprach und nicht mehr aß. Joswig: „Dieses Mädchen spricht bis heute nicht. Wir wissen nicht, was das mögliche Trauma ausgelöst hat.“ Diese Mutter habe die Freundinnen ihrer Tochter angesprochen und von ihnen erfahren, wozu die Jungen sie genötigt hätten. Die Mutter habe sich mit den Eltern der Freundinnen an die Kita-Leitung gewandt. Sie habe unverzüglich die Kita-Aufsicht des Kreises, die Beratungsstelle Wendepunkt und die Stadtverwaltung eingeschaltet, versichert Joswig. Es habe Gespräche mit den Eltern der betroffenen Mädchen und Jungen gegeben. Die Kuschelhöhle sei abgebaut worden. Derzeit würden die Kinder der Blauen Gruppe mit Hilfe von Erzieherinnen aus anderen Gruppen „mit erhöhter Aufmerksamkeit“ betreut und gingen „nicht mal mehr alleine auf die Toilette“. Die Kinder, auch die betroffenen Jungen und Mädchen, gingen in der Kita unbefangen miteinander um.

Angaben von Eltern, wonach die Vorfälle sich über ein Jahr hingezogen und nahezu täglich wiederholt hätten, widersprach Joswig nicht: „Wir wissen es nicht genau.“ Ebensowenig sei bekannt, was im Einzelnen vorgefallen sei.

„Wir wissen noch nicht, woher die Jungs das haben“

„Wir bedauern sehr, dass es den betroffenen Kindern und Eltern schlecht geht“, beteuert Joswig, ohne ein Wort der Entschuldigung zu finden. Zu den offenbar drastischen Nachahmungen sagt sie: „Wir wissen noch nicht, woher die Jungs das haben.“

Dirk Jacobsen von der Beratungsstelle Wendepunkt schloss Hausbesuche in den Elternhäuser der Jungen nicht aus, „wenn die Eltern das wünschen“. Für den Experten sind die Grenzverletzungen in Tornesch „kein Einzelfall“ und noch nicht einmal außergewöhnlich. Zu den Ermittlungen der Kriminalpolizei nach einer Strafanzeige von Eltern gegen Erzieherinnen und Kita-Leitung meint Joswig, sie gehe nach derzeitigem Stand davon aus, „dass die Ermittlungen ergeben, dass keine Verletzung der Aufsichtspflicht vorliegt“. Die Mutter, die die Strafanzeigen erstattet habe, schicke ihre Tochter weiter in den Kindergarten und habe den Erzieherinnen ihr Vertrauen ausgesprochen.

Davon könne keine Rede sein, widerspricht die alleinerziehende Mutter gegenüber unserer Zeitung: „Ich sehe eine massive Pflichtverletzung der Erzieherinnen.“ Es könne nicht angehen, dass Mädchen sich in der Kuschelhöhle unter Gewaltandrohung ausziehen müssten und niemand etwas bemerke.

(mk, shz)

exuelle Übergriffe unter Kindern

Neue Vorwürfe gegen DRK-Kindergarten

„Ich bin schockiert“, sagt die Tornescherin Magdalena Bednarsk (22) vor laufender Kamera. Foto: Wagner

Der Kita-Skandal von Tornesch weitet sich aus: Bereits im Oktober 2009 soll eine Zweijährige Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sein.

Skandal im DRK-Kindergarten in Tornesch (Kreis Pinneberg): Jetzt erhebt auch eine 42 Jahre alte Mutter aus Uetersen schwere Vorwürfe gegen die Kita-Leitung. „Meine Tochter ist bereits im Oktober 2009 Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden“, sagt sie. Ein fünf Jahre alter Junge habe ihre zwei Jahre alte Tochter massiv unsittlich berührt. Der Vorfall habe sich auf dem Außengelände ereignet. Ihre Tochter habe geweint und sich den Erzieherinnen anvertraut. „Dennoch wurde ich erst drei Wochen später darüber informiert.“

Die Uetersenerin habe das Mädchen sofort aus der Kita genommen, berichtet sie. Dem Kindergarten wirft sie eine Vernachlässigung der Aufsichtspflicht vor. „Die Verantwortlichen waren zudem mit der Situation völlig überfordert.“ Die 42-Jährige war entsetzt, als sie erfuhr, dass es im Mai erneut zu massiven Übergriffen gekommen ist.

Zu oralen Handlungen gezwungen: „Hier darf nichts vertuscht werden

Diesmal sollen zwei fünf Jahre alte Jungen zwei Kita-Kameradinnen zur Nachahmung von Sexspielen genötigt haben (shz.de berichtete). Offenbar ist es in der Kuschelhöhle, mitten im Gruppenraum der Einrichtung, zu diesen Vorfällen gekommen. Nach eigener Aussage musste eines der Mädchen orale Handlungen an einem der Jungen vornehmen. Darüber hinaus berührte er sie im Intimbereich. Das Mädchen wurde festgehalten.

Ein zweites Mädchen wurde offenbar dazu gezwungen, bei den Sexspielen zuzusehen. Der Fünfjährigen wurde der Mund zugehalten. „Ich kann nicht ausschließen, dass sie auch selbst ein Opfer der Übergriffe wurde“, sagte ihre Mutter am Dienstag. Sie forderte schonungslose Aufklärung, spricht von einem Skandal. „Hier darf nichts vertuscht werden – damit so etwas nie wieder passiert.“

Eisiges Schweigen beim DRK

Die vier und fünf Jahre alten Mädchen mussten eine Art Schweigegelübde ablegen, versprechen, niemandem etwas zu verraten. In der Kindertagesstätte an der Tornescher Friedlandstraße ist es nach Aussage der Opfer immer wieder zu sexuellen Übergriffen gekommen.

Eisiges Schweigen am Dienstag beim DRK: Weder Kreisgeschäftsführer Reinhold Kinle noch Kita-Leiterin Nadine Joswig wollten sich zu dem Skandal äußern. Viele Kita-Mütter sind schockiert, eine sagt aber deutlich: „Diese Vorfälle hätten in jedem anderen Kindergarten auch passieren können.“ Carmen Kerger-Ladleif von der Hamburger Beratungsstelle Dunkelziffer warnt indes davor, sexuelle Gewalt in Kitas zu verharmlosen.

(brh, bw, shz.de)

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Veröffentlicht August 6, 2011 von liebeslehre in kindersexualität, sex unter kindern

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