öffentliche liebesbeziehung -40jähr. lehrerin+ 13jj   Leave a comment

Renata und Erwin Renata C. und Erwin U.

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Der Fall beschäftigt Erziehungsexperten, Eltern und Jugendliche selbst. Ist die sexuelle Beziehung zwischen einer 41-jährigen Frau und einem 13-jährigen Burschen etwas anderes als zwischen einem 41-jährigen Mann und einem 13-jährigen Mädchen? Ein Mann, so mutmaßen viele, wäre im gleichen Fall im Gefängnis gelandet; das Urteil sei schlicht sexistisch.

Renata C., ehemalige Handballtrainerin, ist eine solche Beziehung mit ihrem besten Spieler – er war damals erst 13 – eingegangen. Am vergangenen Mittwoch stand sie vor Gericht: 22 Monate bedingt wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Unmündigen lautet das Urteil. Wäre ein Mann auch mit einer so milden Strafe davongekommen? Und wo liegt die Grenze zwischen Pädophilie und jungem Lover, zwischen “Missbrauch” und “Liebe”?

Wir treffen das ungewöhnliche Paar am Samstagvormittag in der Kanzlei seines Anwalts Dr. Peter Hombauer in der Weyrgasse im dritten Wiener Gemeindebezirk. Renata C. und Erwin U. haben den KURIER gewählt, um ihre wahre Geschichte zu erzählen.

Vertraut, aber auch nachdenklich, sitzen sie am großen Mahagonitisch, immer wieder suchen ihre Blicke einander, und immer wieder finden sich ihre Hände.
Und dennoch ist es ein ungleiches Paar, das da über Strafe und Schuld, über sexuelle und mentale Reife und über gesellschaftliche Normen und Grenzen spricht. Renata argumentiert eloquent und empathisch, während Erwin seiner Freundin eher zuhört und wenn, dann sehr leise spricht. Dass der KURIER den 14-Jährigen ungepixelt zeigt, ist sein ausdrücklicher Wunsch: “Ich will nicht länger als Opfer dastehen”, erklärt er, “denn als solches fühle ich mich nicht.”

Hände Immer wieder finden sich während des Interviews ihre Hände.KURIER: 22 Monate bedingt wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Unmündigen. Wie geht es Ihnen beiden mit diesem Urteil?
Erwin:
Eh ziemlich gut. Mir ist das Wichtigste, dass es bedingt ist.
Renata: Ich kann es verstehen, denn so steht es im Gesetz.

Mit den Worten “Missbrauch” und “unmündig” können Sie leben?
Erwin:
Missbrauch klingt schon hart. So, als wäre ich vergewaltigt worden. Unmündig war ich vor dem Gesetz.
Renata: Für mich ist das alles sehr schwer. Als Mutter von zwei Töchtern hatte ich genau vor so was immer Angst. Auf einmal stehe ich da mit diesem Tatbestand. Ich werde mir das nie verzeihen, dass ich gedacht habe, ab 2010, also ab dem Jahr, wo Erwin 14 sein wird, wäre das erlaubt.

Was sagen deine Schulkollegen, Erwin? Und was sagt Ihr Ehemann, Renata?
Erwin:
Sie haben mich gefragt, ob ich das bin. Weil in der bunten Zeitung ja nicht nur von der Trainerin, sondern auch vom Burschen, also von mir, das falsche Foto war.
Renata: Das hat ihn geärgert, weil er schon viel älter aussieht und auch schon viel reifer ist.
Erwin: Einerseits war es bequem, dass das andere waren, aber auf der andern Seite ist es natürlich unfair denen gegenüber, die können ja überhaupt nichts dafür. Meine Freunde und Schulkollegen haben volles Verständnis für meine Beziehung.
Renata: Mein Mann auch. Er war mir in den letzten Monaten eine große Stütze, er ist großartig. Wir leben zwar wegen unserer Kinder noch zusammen, sind aber schon seit drei Jahren kein Paar mehr.

Dass Ihr Konzept von Sexualität großen Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Töchter haben würde, haben Sie sich das nicht überlegt?
Renata:
Und ob. Ich habe mit meinen Mädchen sehr lange Gespräche geführt – lange bevor es in den Zeitungen gestanden ist. So was ist nicht einfach für eine Mutter. Und wenn sie mich vor die Wahl gestellt hätten: Wir oder dein Freund, dann hätte ich keine Sekunde gezweifelt und mich natürlich für meine Kinder entschieden.

Ungleiches Paar Ungleiches Paar: Die eloquente Handballtrainerin und ihr zurückgezogener, fast schüchterner FreundHätten nicht Sie die Wahl treffen und als erwachsene Frau sagen müssen: Nein zu einem Jugendlichen, der noch fast ein Kind ist?

Renata: Doch. Es war nicht richtig, was ich gemacht habe. Ich sehe meine Schuld auch ein. Aber Erwin ist eine Ausnahme, er ist auch mit 13 kein Kind mehr gewesen.

Was würden Sie sagen, Renata, wenn der Klavierlehrer sich in Ihre 14-jährige Tochter verliebt und mit ihr ins Bett geht?
Renata:
Ich weiß es nicht. Es wäre nicht leicht für mich. Ich kann das wirklich nicht sagen.
Erwin: Für mich ist Renatas Tochter wie eine Schwester.

Angezeigt hat den Fall Erwins Stiefvater. Wie ist das Verhältnis zu ihm?
Erwin:
Ich trage seinen Namen, weil er mich adoptiert hat. Meinen richtigen Vater habe ich noch nicht kennengelernt, er lebt in Rumänien. Mein Stiefvater spielt sich jetzt als Moralapostel auf. Darüber wundere ich mich, nach allem, was er sich geleistet hat.

Was denn?
Erwin:
Darüber wollen wir nicht sprechen.

Ist deine Mutter erschrocken, als sie von deiner Beziehung erfahren hat?
Erwin:
Erschrocken nicht. Sie hat sofort mit Renata geredet und gemerkt, dass es uns ernst ist, dass da Liebe im Spiel ist. Dann hat sie es schweren Herzens akzeptiert.

Ist Liebe für eine 42-jährige Frau dasselbe wie für einen 14-jährigen Jugendlichen?
Renata:
Liebe ist für jeden Menschen etwas anderes, egal, ob Mann oder Frau, unabhängig vom Alter. Und jetzt kommen wir sehr wohl zum Sexismus: Bei einem Herrn Lugner regt sich keiner auf, dass seine Katzis und Mausis 60 Jahre jünger sind. Er wird dafür höchstens noch bewundert.
Erwin: Oder bei Simone Thomalla und Handball-Torwart Silvio Heinevetter.

Heinevetter und Katzi sind nicht minderjährig.
Renata:
Das ist korrekt. Ich dachte mir, als ich solche Berichte in den Zeitungen gelesen habe, auch immer: Mir könnte so was nie passieren.
Erwin: Mir war vom ersten Augenblick an klar, dass ich Renata liebe.

War gleich auch Sex ein Thema?
Erwin:
Ja. Aber Renata hat gesagt, damit warten wir noch. Sex stand nie im Vordergrund.
Renata: Wir wollten uns Zeit lassen. Aber leider haben wir uns nicht genug Zeit gelassen.
Wie seht ihr denn die Zukunft als Paar? Wenn Erwin in die besten Jahre kommt, sind Sie, Renata, schon bald 70.
Renata: Darüber denke ich nicht nach. Denken Sie darüber nach, was Sie mit 70 machen?
Erwin: Ich wünsche mir nur, dass alles sich normalisiert.

Lesen Sie demnächst: Die Folgen der verhängnisvollen Affäre

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